Seit Sonntag bin ich nun wieder aus dem Urlaub zurück, erst heute hatte ich aber die Zeit und Muße etwas zu Schreiben. Geschuldet ist das vor allem an dem Wetter seit gestern, es regnet, regnet und will nicht aufhören.
Da der Januar zu den kältesten Monaten in Hanoi gehört, hatten 2 Freunde und ich beschlossen, dass wir unseren Urlaub nehmen und in den warmen Süden entfliehen.
Zudem müssen auch gerade alle unsere Studenten (Jungs wie Mädchen!) ihren Wehrdienst in der vietnamesische Armee ableisten, dort müssen sie sich einen Monat lang Vorträge über Lenin und Co anhören, dürfen am Ende aber wohl auch mit Ak-47-Maschinengewehren schießen.
Direkt im Anschluss haben die Studenten dann Neujahrsferien, sodass diese Arbeit erst Ende Februar weitergeht.
Parallel unterrichte ich ja aber noch den Uni-Staff und lerne mehr oder minder fleißig Vietnamesisch, für andere wurden Arbeitsplätze an einem SOS-Kinderdorf in Hanoi gefunden.
Hanoi ist schon eine schöne Stadt, hat mit seinem gemäßigt tropischen Klima im Winter aber einfach nur scheiß Wetter.
Ab der Wetterscheide in der Mitte Vietnams wird das Klima dann tropisch und ganzjährig warm bis heiß. Dort gibt es dann auch nur noch 2 Jahreszeiten: Regen- und Trockenzeit.
Genug vom Wetter, unseres war dann für 2 Wochen perfekt!
Urlaubsbilder zum Text findet ihr hier!

Reiseroute, bearbeitet nach: http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Vietnam_map_de.png
Da wir mit dem Buchen der Flüge einen Tag zu spät waren, konnten wir nicht wie geplant direkt nach Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon) fliegen, sondern haben erst einen Abstecher nach Da Nang und Hoi An gemacht, die in Zentralvietnam liegen.
Da Nang ist eine Großstadt Vietnams und soll zum Spielerparadies ausgebaut werden, einige Casinos haben wir schon gesehen.
Glücklicherweise hat Da Nang auch einen schönen Strand, an dem das Gasthaus unserer Wahl lag: 3$ pro Nacht und direkt am Strand, was will man mehr!
Dort konnte ich eine weitere Eigenart der Vietnamesen beobachten: Da es hier, im Gegensatz zu unserem Kulturkreis, nicht als hübsch gilt braungebrannt zu sein, gehen die Vietnamesen immer erst gegen 17 Uhr mit Kleidung ins Wasser, verrückt!
Doch der Erkundungstrieb ließ uns 2 Tage später mit dem Lokalbus nach Hoi An fahren.
Hoi An ist eine Küstenstadt mit einem sehr schönen Fischerhafen, die berühmt ist für ihre zahllosen Schneidergeschäfte.
Als ich durch Hoi An lief konnte ich meinen Augen kaum trauen: Alles so sauber und liebevoll gebaut – was für ein Unterschied zu Hanoi!
Die Stadt ist heute eine reine Touristenstadt, sie wirkt fast wie für Touristen gebaut.
Dementsprechend auch die Preise für Hotel und Essen, wir waren aber wohl die einzigen Touristen, die im Urlaub mehr für Essen ausgeben als zu Hause 
Nichtsdestotrotz lohnt sich Hoi An, auch wenn man sich nichts schneidern lassen möchte.
Von dort haben wir noch einen Trip zum Weltkulturerbe Mỹ Sơn gebucht, Ruinen einer alten Tempelstadt der Cham-Minderheit. Die Ruinen gehen vom Aussehen so in Richtung Angkor Wat in Kambodscha oder Ayutthaya in Thailand.
Mỹ Sơn ist mit einer Größe von 200 m² leider ein kleiner Ableger, doch nicht minder beeindruckend.
Im Vietnamkrieg wurde Mỹ Sơn von den USA bombardiert, da vermutet wurde, dass sich dort Soldaten des Vietcong verschanzen. Vor einem, mit Gras überwachsenen, Bombenkrater hat unser Guide uns aber erzählt, dass diese heilige Stätte nie dazu benutzt wurde.
Auf der Hinfahrt hat er uns schon von seinem Vater erzählt, der als Soldat des Nordens gegen die Amerikaner gekämpft hatte und verständlicherweise noch eine große Abneigung gegen sie hegt.
Und sein Sohn führt nun, 40 Jahre später, als „Vietcong“ verkleidet, amerikanische Touristen durch Vietnam, schon absurd.
Zurück konnten wir endlich von Da Nang aus einen Flug nach Ho-Chi-Minh-Stadt (HCMC) nehmen.
Wir Kommunisten im Norden hier oben nennen die Stadt natürlich nach ihrem gegebenen Namen nach der Wiedervereinigung, im Süden wird man aber noch mehr ihren alten Namen Saigon hören.
Saigon ist „eine der schnellstwachsenden Boomstädte der Welt“ (wiki), wirtschaftlich Hanoi überlegen, internationaler – einfach um einiges fetter als Hanoi.
In Vietnam gibt es, die Sprache der Minderheiten einmal ausgenommen, drei verschiedene Dialekte: Nord-, Zentral und Südvietnamesisch.
Nord und Süd machen sich gegenseitig über ihre Aussprache lustig, und beide lästern über die „Bauern in Zentralvietnam“, diese sollen wohl am dümmsten sprechen.
Es war dann mal interessant das Südvietnamesisch zu hören.
Wenn man aber weiß, was wie anders ausgesprochen wird, aber auch zu Verstehen. Zum Beispiel wird gi und d am im Norden wie ein S ausgesprochen und im Süden wie J.
In Saigon merkt und sieht man die Auswirkungen der Franzosen und Amerikaner: Z.B. das Rathaus und das Postamt sind im französischen Kolonialstil gebaut und für die Kathedrale wurden extra alle Ziegelsteine per Schiff nach Vietnam transportiert.
Saigon hat im Unterschied zu Hanoi ein richtiges Nachtleben, die Straße Pham Ngu Lao im Backpackerviertel Saigons orientiert sich eindeutig an der legendären Khao San Road in Bangkok.
Daraus ergeben sich natürlich Vor- und Nachteile: Erstens sieht man in Saigon viel mehr Kinder betteln, die von ihren Eltern rausgeschickt werden und erst wieder nach einer gewissen Summe ins Haus gelassen werden.
Ich finde es schwierig sich da richtig zu verhalten, denn Geld sollte man ihnen ja nicht geben, da man die Praxis dadurch eher noch unterstützt.
Zweitens gibt es viel mehr „crazy girls“ in Saigon, man wird auf offener Straße nach „do you want a lady vietnam?“ und „bum bum lady vietnam?“ gefragt und im Club sind der Großteil der Vietnamesinnen käuflich.
Dementsprechend viele Vietnamesinnen sieht man dann abends mit ihren meist alten Westlern, die sich so den Urlaub versüßen.
In Saigon kann man dafür aber viel besser shoppen als in Hanoi.
Die Auswahl ist in Quantität und Qualität für westliche Touristen besser als in Hanoi, wo bei Anzugschuhen die Schuhgröße schon mal bei 42 endet.
Einen Kulturunterschied fand ich aber klasse in Saigon: Gibt es in Hanoi überall Teefrauen auf der Straße, bei denen man sich auf bunte Plastikhocker setzen und kalten oder warmen Tee trinken kann, gibt es das gleiche in Saigon nur mit Kaffee! Ich konnte meinen Augen kaum trauen, als ich Kaffee auf der Straße gesehen habe, wenn man sonst nur Tee gewöhnt ist..
Von Saigon aus haben wir Eintages-Touren ins Mekong-Delta und zu den Củ Chi-Tunneln gebucht.
Die Mekong-Delta Tour fand ich nicht allzu aufregend, vielleicht bin ich aber schon zu oft in Vietnam Boot gefahren oder man sollte sich mehr Zeit nehmen und es individueller erkunden.
Die Tour zu den Tunneln unweit Saigons fand ich hingegen sehr kurzweilig und interessant.
Die Vietnamesen hatten schon während des Krieges gegen die Franzosen angefangen Tunnel unter der Erde zum Schutz zu bauen. Dies wurde bis zum Vietnamkrieg (der heißt hier im Land nur „the american war“) so ausgebaut, dass ein 250km langes, dreigeschossiges, Tunnelsystem entstand.
In diesem konnte die Bevölkerung Schutz finden und im Notfall sogar über den Saigon River fliehen, Waffen und wichtige Dokumente aufbewahrt werden und die Soldaten in der ersten Ebene ungesehen amerikanische Stellungen angreifen.
Der Vietcong konnte dadurch nachts ein Gebiet von 30-40 km in der Nähe Saigons kontrollieren, tagsüber wurde das Gebiet dann zum meist bombardierten Gebiet der Kriegsgeschichte.
Die Zugänge hatten die Größe eines DinA4-Blattes – ich habe es reingeschafft, doch kaum ein amerikanischer Soldat!
Zum Aufspüren der Luftlöcher haben die Amerikaner deutsche Schäferhunde eingesetzt, doch auch diese wurden von den Vietnamesen ausgetrickst. Wurde mal ein Zugang gefunden, hatte die US-Armee die koreanischen Verbündeten in die Löcher geschickt.
Man konnte auch in einen Tunnel, der extra für große Westler vergrößert wurde, in dem war es mit Platzangst und Luftnot nicht so dramatisch wie in dem originalen.
Insgesamt schon sehr beeindruckend wie das Volk der US-Armee getrotzt hat.
Zum Abschluss stand noch einmal Strandurlaub an: Es ging auf die tropische Insel Phu Quoc!
Eigentlich wollten wir von Saigon aus mit Bus und Fähre die Insel erreichen, da der Flug aber nur das doppelte kostet haben wir uns zwecks Zeitersparnis für den einstündigen Flug entschieden.
Dann sind wir in 2 Wochen 5x geflogen, bei einem Preis von 30€ pro Flug aber zu verschmerzen 
Die Insel ist das Paradies: Weiße Sandstrände, Dschungel der zum Nationalpark erklärt wurde und glücklicherweise noch nicht zu touristisch. Es gibt noch sehr einsame Strände, man hat aber schon vor Ort mitbekommen, dass Vietnam Phu Quoc mitsamt dem Flughafen richtig fett aufbauen will.
Leider gab es am Hauptstrand kleine Quallen im Wasser, sodass wir dann mit geliehen Motorbikes zu anderen gefahren sind.
Wir haben zwei große Motorbike-Touren über die Insel gemacht und hatten einen Heidenspaß dabei, da es nur sehr wenige befestigte Straßen gibt und der Rest der Tour wirklich offroad durchs Paradies war 
Dummerweise war ich 2 Tage durch eine Magen-Darm-Geschichte KO gesetzt.
Kurios allerdings, dass mir das in „Westlerrestaurants“ auf Phu Quoc passiert ist und nicht in Garküchen, wo ich Eis aus Bechern trinke, die das letzte mal gewaschen wurden, also Ho-Chi-Minh-Stadt noch Saigon hieß ^^
Nun sind wir wieder zurück in Hanoi, es ist milder, dafür aber auch nasser als gedacht…
Der Urlaub war richtig geil, endlich konnte ich mehr von diesem wunderschönen Land sehen!
Auch wenn ich natürlich gern die Schneemassen bei uns in Berlin erlebt hätte!